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Erdöl

Erdöl besteht hauptsächlich aus einem Kohlenwasserstoffgemisch, welches aus der Zersetzung abgestorbener Pflanzen und Tiere unter speziellen Bedingungen in Sedimentbecken tief in der Erde, über Millionen von Jahren entstanden ist. Aufgrund ihrer geringen Dichte tendieren diese Kohlenwasserstoffe dazu, aus ihrem Muttergestein zu entweichen und nach oben zu migrieren. In geologisch günstigen Standorten (so genannte Antiklinalen) wurde diese Migration von undurchlässigen Schichten gestoppt, was zur Ansammlung der Kohlenwasserstoffe in dafür geeigneten Speichergesteinen und zur Bildung der heute bestehenden konventionellen Erdöl- und Erdgaslagerstätte geführt hat. Gewisse Muttergesteine sind aber zu wenig porös, was das Austreten der Kohlenwasserstoffe verhindert hat. Solche Sedimentgesteine werden Gas- und Ölschiefer genannt und ihre Ausbeutung erfordert unkonventionelle, besonders teure Fördermethoden. Dort, wo die Kohlenwasserstoffe bis an die Erdoberfläche migrieren konnten sind infolge der Verflüchtigung der leichten Bestandteile Naturbitumen und Asphaltschichten entstanden. Diese wurden schon in der Antike abgebaut und z.B. zum Abdichten von Fugen im Haus- und Schiffbau verwendet. Dort wo Erdöl tief in der Erde liegt wird es durch Bohrungen an Land und im Wasser (Bohrinseln) gefördert. Der Öltransport erfolgt in Tankschiffen, Pipelines, Kesselwagen und Tanklastwagen. In Raffinerien wird das Rohöl zu verschiedenen Fertigprodukten verarbeitet. Die im Energiebereich verwendeten Produkte können grob in die beiden Hauptkategorien Brennstoffe (Heizöle, Petrolkoks) und Treibstoffe (Benzin, Diesel, Flugpetrol) eingeteilt werden. Daneben wird Erdöl aber auch in der chemischen Industrie unter anderem zur Herstellung von Kunststoffen verwendet.

Erdöl wurde erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts in grossen Mengen gefördert. Dank seiner besseren Eigenschaften bezüglich Förderung, Transport, Lagerung, Verwendung sowie Umweltverträglichkeit hat dieser flüssige Kohlenwasserstoff nach der 2. Weltkrieg Kohle in vielen Bereichen (Verkehr, Heizung) verdrängt. Überdies war Erdöl zwischen 1945 und 1973 – vor der 1. Ölpreiskrise – sehr günstig. Erst 2005 begann der Ölpreis die 50-Dollarmarke pro Fass (US$/Fass) dauerhaft zu überschreiten, was in den USA und Kanada die Erschliessung der früher kaum genutzten Schiefergas und -ölreserven mit der aufwendigen Fracking-Fördertechnik ermöglichte. Damit ist der sogenannte Peak-Oil (globales Ölfördermaximum) weiter in die Zukunft gerückt. Geht man davon aus, dass der Erdölverbrauch auf dem jetzigen Niveau stabil bleibt, so dürften die nachgewiesenen Erdölreserven (wovon zwei Drittel im Mittleren Osten konzentriert sind) noch gut 52 Jahre reichen gemäss BP Statistical Review of World Energy 2015. Dieser Statistik ist auch zu entnehmen, dass im Jahr 2014 der höchste Erdölverbrauch in den USA (mit einem Anteil von 19.9%) verzeichnet wurde, gefolgt von der EU (EU-28: 14.1%), China (12.4%), Japan (4.7%) und Indien (4.3%). Der Anteil der OECD-Länder am Welterdölverbrauch ging auf 48.3% zurück. Die grössten Erdölförderer waren Saudi-Arabien (12.9%), Russland (12.7%), die USA (12.3%), China (5.0%) und Kanada (5.0%). Laut BP-Statistik trugen die OPEC-Länder insgesamt 41% zur Weltölproduktion bei, unter Einschluss der flüssigen Erdgase oder Gaskondensate.

In den letzten zehn Jahren war der Ölmarkt durch massive Preisfluktuationen gekennzeichnet. Mitte 2008 erreichten die Rohölpreise bedingt durch das enorme Nachfragewachstum insbesondere aus China und Südost Asien das Rekordniveau von 147 US$/Fass. Eine der tiefsten je verzeichneten Weltwirtschaftskrise liess sie sechs Monate später wieder unter 35 US$/Fass fallen. Nach einer zweijährigen Erholungsperiode erfuhr der Ölmarkt zwischen Anfang 2011 und Mitte 2014 eine Phase relativer Stabilität mit Rohölpreisen leicht über die Marke von 100 US$/Fass. In der 2. Jahreshälfte 2014 sowie im Jahr 2015 gingen die Ölpreise erneut stark zurück. Grund dafür war die deutliche Überversorgung des Weltmarktes, bedingt einerseits durch den Schieferöl-Boom in den USA und die Weigerung der OPEC, ihre Förderobergrenze zu senken, andererseits durch die schwache globale Ölnachfrage. Mitte Januar 2016 lagen die Rohölpreise unter der Marke von 30 US$/Fass, zum ersten Mal seit Anfang 2004.      

Wie in den meisten OECD-Ländern haben die Erdölkrisen der 1970er Jahre auch in der Schweiz die Gefahren einer einseitigen Energieversorgung aufgezeigt. In der Zwischenzeit ist der Öl-Anteil am Schweizer Energieverbrauch von 80% (1973) auf 51.5% (2014) gesunken (Brennstoffe: 15.4%; Treibstoffe: 36.1%) und die Erdölintensität der Schweizer Wirtschaft hat sich etwa halbiert, wie diejenige aller Industrieländer. Ein Grund dafür ist, dass diese Länder immer mehr im Tertiär-Sektor positioniert sind. Diese Tendenz wird sich fortsetzen. In absoluten Zahlen ist der Schweizer Ölverbrauch zwischen 1975 und 2014 nur um 11% auf rund 10 Millionen Tonnen/Jahr (0.3% des Weltverbrauchs) gesunken. Deshalb strebt der Bundesrat weitergehende Massnahmen an, um diesen Verbrauch zu reduzieren.

Dokumente zum Thema

Aktuelle Berichte
Vierteljährlicher Bericht über die Marktentwicklung fossiler Energieträger
Plangenehmigungsverfahren für Rohrleitungen

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Gesamtenergiestatistik

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Ihre Ansprechperson: Vincent Beuret
Letzte Änderung: 07.09.2016


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