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Schweiz plädiert für Einbezug bei der Erarbeitung neuer europäischer Strommarktdesigns

Bern, 04.03.2015 - Um die zunehmende Wind- und Solarstromproduktion technisch sicher, wirtschaftlich und umweltgerecht in den europäischen Strommarkt zu integrieren, braucht es grenzüberschreitende Lösungen ohne neue marktverzerrende Massnahmen. In die Planungen zu solchen neuen europäischen Strommarktdesigns soll die Schweiz als starker Partner zur Sicherstellung der Netzstabilität einbezogen werden. Dies fordern das Bundesamt für Energie (BFE), die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom), die Organisation der grossen schweizerischen Stromverbundunternehmen swisselectric, die Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid sowie der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zum Grünbuch "Ein Strommarkt für die Energiewende" des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Erstmalig legen damit wesentliche Akteure des Schweizer Strommarkts aus Behörden, Wirtschaft und Verbänden eine gemeinsame Stellungnahme zu den Strommarktdesign-Plänen eines europäischen Landes vor.

Mit dem Ende Oktober 2014 publizierten Grünbuch "Ein Strommarkt für die Energiewende" hat das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) eine breite Diskussion über das zukünftige Strommarktdesign angestossen. Das Grünbuch befasst sich mit der Frage, wie der künftige Strommarkt ausgestaltet werden muss, um die Versorgungssicherheit auch bei steigenden Anteilen von Wind- und Solarstrom zu gewährleisten. Dargelegt werden Massnahmen zur Optimierung des Einsatzes der verfügbaren Kapazitäten (Verbesserung Bilanzkreisbewirtschaftung, Netzausbau, Weiterentwicklung Regelleistungsmärkte) und es wird erörtert, ob der bestehende Strommarkt (Strommarkt 2.0) optimiert oder daneben ein zweiter Markt für die Vorhaltung von Kapazitäten eingeführt werden soll (Kapazitätsmarkt).

Die wichtigsten Aussagen der Stellungnahme der Schweizer Akteure:

Keine weiteren Verzerrungen des Marktes
Bei der Ausgestaltung des künftigen Marktdesigns in Europa sollen Marktpreissignale gestärkt werden und Erzeuger und Verbraucher möglichst unverzerrt erreichen. Die Vorteile des Strommarktes 2.0, d.h. des optimierten Energy-only-Marktes, liegen bei der effizienten Preisbildung in Abhängigkeit der Knappheiten im Markt. Kapazitätsmechanismen beinhalten das Risiko von weiteren Preisverzerrungen und Wohlfahrtsverlusten, die sich auch grenzüberschreitend bemerkbar machen werden.

Grenzüberschreitende Lösungen
Erfolgsentscheidend sind offene Märkte und der grenzüberschreitende Handel, der zur Synchronisation von Angebot und Nachfrage zwischen den Preiszonen mit komplementären Produktions- und Verbrauchsbedingungen beitragen kann. Dadurch werden grossräumige Ausgleichseffekte und Effizienzgewinne erzielt. Eine länderübergreifende Marktkopplung unter Einbezug der Schweiz kann die Liquidität in den Märkten steigern und dadurch Marktmacht hemmen.

Gesamtsystem optimieren
In einem neuen europäischen Marktdesign soll das Gesamtsystem optimiert und alle Flexibilitätsoptionen berücksichtigt werden inkl. Netzausbau und Speicherung. Wichtig ist die diskriminierungsfreie und grenzüberschreitende Ausgestaltung des Marktes, indem alle Flexibilitätsoptionen in einem technologie- und standortneutralen Wettbewerb zueinander stehen.

Flexible Schweizer Kraftwerke für Europa
Die flexiblen Kraftwerke der Schweiz sind bestens geeignet, um die zukünftigen Herausforderungen in Europa, insbesondere in Süddeutschland erfolgreich zu bewältigen. Die hohe Spitzenkapazität der Schweizer Pumpspeicherkraftwerke kann einen entscheidenden Beitrag zur Integration der neuen erneuerbaren Energien in den Markt leisten, politisch unerwünschte Preisspitzen brechen und die Versorgungssicherheit erhöhen. Eine Marktkopplung von Deutschland mit der Schweiz und mit Italien dürfte zu weiteren Effizienzsteigerungen führen und die Liquidität in einem gemeinsamen Markt steigern.

Sicherstellung der Netzstabilität
Die Schweiz muss bei den Massnahmen zur Sicherstellung der Netzstabilität in Europa weiter eingebunden sein: Die Schweizer Kraftwerkskapazitäten zur Spitzenlastdeckung in der Schweiz sind ausreichend, so dass die Schweiz Europa zu Spitzenlastzeiten flexible Kraftwerksleistung anbieten kann bei Importen zu Schwachlastzeiten. Eine überregionale Betrachtung der Versorgungssicherheit ist wichtig, da diese durch internationalen Austausch gestärkt werden kann. Die Schweiz begrüsst die diesbezüglichen Arbeiten des Pentalateralen Energieforums und die Initiative des BMWi zur Zusammenarbeit der Nachbarstaaten Deutschlands.

Die öffentliche Konsultation des Grünbuchs endet im März 2015. Aufgrund der Ergebnisse soll Ende Mai 2015 ein Weissbuch mit konkreten Massnahmen publiziert werden, das ebenfalls öffentlich konsultiert wird und als Grundlage für den Gesetzgebungsprozess dienen soll.

Adresse für Rückfragen:

Marianne Zünd, Leiterin Medien + Politik BFE, 058 462 56 75, 079 763 86 11, marianne.zuend@bfe.admin.ch

Herausgeber:

Bundesamt für Energie
Internet: http://www.bfe.admin.ch


http://www.bfe.admin.ch/energie/00588/00589/00644/index.html?lang=de