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Umfrage über radioaktive Abfälle: Die Entsorgung darf nicht anderen Generationen überlassen werden

Bern, 18.09.2013 - 95 % der Schweizerinnen und Schweizer wollen die Entsorgung der radioaktiven Abfälle nicht an nachfolgende Generationen abschieben. Sie fordern rasche und konkrete Lösungen. Gleichzeitig hat sich ihre skeptische Haltung gegenüber der Kernenergie verschärft: 57 % lehnen sie ab. Dies sind Kernaussagen einer Umfrage über Kernenergie und radioaktive Abfälle, die dieses Jahr zum zweiten Mal nach 2008 durchgeführt wurde.

Im Auftrag des Bundesamts für Energie wurden im Juni 2013 1015 Schweizer Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Haltung zur Kernenergie und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle befragt. Es wurden dieselben Fragen gestellt wie bei einer Umfrage im Jahr 2008 (siehe Medienmitteilung vom 23.09.2008). Der Vergleich der beiden repräsentativen Umfragen zeigt, wie sich die Haltung der Schweizer Bevölkerung in den letzten fünf Jahren entwickelt hat.

Haltung gegenüber der Kernenergie

  • Die skeptische Haltung der Schweizer Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Kernenergie hat sich verstärkt: 57% der Befragten sprechen sich eher oder vollständig gegen die Kernenergie aus. Das ist ein signifikanter Anstieg gegenüber der Umfrage im Jahr 2008 (52%). 41% (2008: 40%) befürworten die Kernenergie.
  • Mit 49% (2008: 49%) ist der Anteil der Kernenergie-Befürworter bei den Männern bedeutend höher als bei den Frauen (34%, 2008: 32%). Bürgerinnen und Bürger, die sich politisch als eher links einordnen, lehnen die Kernenergie mit 76% (2008: 74%) eher ab als diejenige, die sich politisch in der Mitte (53% Ablehnung, 2008: 41%) oder rechts (40% Ablehnung, 2008: 35%) einordnen.
  • In ländlichen Gegenden findet die Kernenergie mit 47% (2008: 47%) mehr Befürwortung als in grossen Städten (28% Befürwortung, 2008: 29%).
  • In der Deutschschweiz, wo alle fünf Kernkraftwerke der Schweiz stehen, liegt die Befürwortungsrate zwischen 43%-46% (2008: 39%-45%) und damit höher als in der französisch- (33%, 2008: 36%) oder der italienisch-sprachigen (33%, 2008: 33%) Schweiz.

Haltung gegenüber radioaktiven Abfällen und geologischen Tiefenlagern

  • 95% der Befragten sind der Ansicht, dass jetzt eine konkrete Lösung für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gefunden werden muss und das Problem nicht nachfolgenden Generationen überlassen werden darf (2008: 97%).
  • Gleichzeitig denken 82% aller Befragten, dass es keine sichere Lösung für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gibt (2008: 77%).
  • Würde ein geologisches Tiefenlager in der Nähe ihres Wohnorts gebaut, so möchten 51% der Befragten persönlich informiert und in den Entscheidungsprozess einbezogen werden (2008: 60%). 25% möchten diese Entscheide lieber den verantwortlichen Behörde überlassen (2008: 18%).
  • 50% (2008: 46%) sehen die geologische Tiefenlagerung der radioaktiven Abfälle als die am besten geeignete Methode für die langfristige Lagerung an. 39% (2008: 34%) lehnen die Tiefenlagerung ab.
  • Falls ein geologisches Tiefenlager in ihrer Nähe gebaut würde, befürchten 50% (2008: 53%) mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Das Risiko, dass radioaktive Stoffe entweichen könnten, beunruhigt 28% (2008: 25%) und einige der Befragten machen sich auch Gedanken über die Abfalltransporte zum Endlager (10%, 2008: 11%), terroristische Anschläge (5%, 2008: 4%) oder über den möglichen Wertverlust von Grundstücken und Immobilien (4%, 2008: 3%).

Wissensstand über radioaktive Abfälle

  • 63% der Befragten fühlen sich über radioaktive Abfälle zu wenig informiert (2008: 58%). Tatsächlich gehen beispielsweise rund 47% der Befragten fälschlicherweise davon aus, dass die Schweiz derzeit radioaktive Abfälle im Meer versenkt (2008: 42%).
  • 71% (2008: 80%) der Befragten wissen, dass es verschiedene Abfallkategorien (schwach-, mittel- und hochradioaktive Abfälle) gibt und dass radioaktive Abfälle auch in Forschungszentren (79 %) sowie in Spitälern (75 %) und gewissen Industriebranchen (65%) anfallen.
  • 85% (2008: 81%) der Befragten sind der Ansicht, dass sämtliche radioaktiven Abfälle aller Kategorien sehr gefährlich sind.

Vertrauenswürdigkeit der Informationsquellen

  • Schweizer Bürgerinnen und Bürger schätzen Informationen über radioaktive Abfälle vor allem dann als vertrauenswürdig ein, wenn diese aus unabhängigen Quellen stammen, insbesondere von NGOs (38%, 2008: 33%), Wissenschaftler/innen (36%, 2008: 32%) sowie von internationalen Organisationen, die sich für die friedliche Nutzung der Kenenergie einsetzen (33%, 2008: 30%).
  • 32% der Befragten erachten die Informationen der Nagra als vertrauenswürdig; dieser Wert ist seit der Umfrage im Jahr 2008 (24%) deutlich gestiegen.
  • Rund ein Fünftel (21 %, 2008: 24 %) vertraut auf die Informationen des Bundesrats. Ebenso viele vertrauen den Informationen der Nuklearindustrie. Am wenigsten Vertrauen haben die Befragten zu den Informationen der Medien (7 %, 2008: 7 %).

Adresse für Rückfragen:

Marianne Zünd, Leiterin Kommunikation BFE, 031 322 56 75 / 079 763 86 11
Simone Brander, Fachspezialistin Entsorgungspolitische Grundlagen BFE, 031 325 85 57

Herausgeber:

Bundesamt für Energie
Internet: http://www.bfe.admin.ch


http://www.bfe.admin.ch/energie/00588/00589/00644/index.html?lang=de