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Literaturübersicht zum Stand der Markierung von geologischen Tiefenlagern

Bern, 02.07.2010 - Wissen zum Standort und zum Inhalt von geologischen Tiefenlagern für radioaktive Abfälle muss für künftige Generationen erhalten bleiben. Das Kernenergiegesetz schreibt deshalb die dauerhafte Markierung vor. Eine Literaturstudie im Auftrag des Bundesamts für Energie gibt nun einen Überblick über den Stand von Wissenschaft und Technik bezüglich Markierung und Wissenserhalt im Zusammenhang mit geologischen Tiefenlagern.

Zum Thema "Markierung" sind in den letzten 40 Jahren Hunderte von wissenschaftlichen Studien und Fachartikeln veröffentlicht worden. Der in Zürich tätige Geologe und Sozialwissenschaftler Marcos Buser hat aus dieser Literatur vor allem die Standard-Werke gesichtet und auf 70 Seiten eine Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse verfasst. Die Studie ist im Rahmen des Forschungsprogramms Radioaktive Abfälle des Bundesamtes für Energie erschienen.

Der Autor kommt zum Schluss, dass die wichtigsten Fragen zum Wissenserhalt frühzeitig erkannt wurden. Was konkret getan werden soll, um ein Tiefenlager zu markieren, erfordert jedoch noch eine gesellschaftliche Diskussion und weitere Forschungsarbeiten. Die Studie soll eine Grundlage zu dieser Diskussion liefern, wie die Schweiz - und auch andere Länder - die Frage der Markierung von Tiefenlagern handhaben soll. Aus diesem Grunde sollen die Erkenntnisse der Studie in die internationale Diskussion einfliessen. Die Schweiz wird sich an einem Projekt der OECD (Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit) beteiligen, welches sich mit Fragen rund um die Markierung befassen wird.

Folgerungen aus der Studie

Die Literaturstudie ermöglichte es, die Fragen der Markierung sehr grundsätzlich und systematisch auszuleuchten. Die Erhebung des Wissensstandes zur Markierungsfrage zeigt, dass mit vernünftigem Aufwand wesentliche Erkenntnisse aus der verfügbaren Literatur gewonnen werden können. Als besonders zentral oder interessant erscheinen folgende Erkenntnisse:

  • Zum einen ist die Notwendigkeit von Synthesen hervorzuheben. Synthesen ermöglichen die Gesamtschau eines Problems, indem sie Informationen eines bestimmten Wissensgebiets zusammentragen, sortieren und verdichten.
  • Die Ziele von Markierung und die konkreten Umsetzungsstrategien von Projekten sind nicht widerspruchsfrei. Wo Markierung erfolgt, wird ein "Abdruck" ("fingerprint") hinterlassen. Allerdings ermöglicht moderne Technik ein Auffinden der Zugangsbauwerke eines sorgfältig kaschierten Lagers auch ohne allzu grosse Schwierigkeiten.
  • Die ganzheitliche Betrachtung eines Konzeptes muss unter Einbezug aller technischen und nicht-technischen Faktoren erfolgen. Technische Disziplinen etwa müssen sich öffnen für die Anliegen von Semiotik und den Erkenntnissen aus Archäologie und Geschichte. Umgekehrt hat die Planung von Markierungsstrategien Fragen wie Korrosion von Metallen und Gasbildung mit einzubeziehen.
  • Der Wissenstransfer über lange Zeiträume und die formale Ausstattung mit semiotischen Techniken und Objekten sind Herausforderungen besonderer Art. Semiotiker haben Missdeutungspotential von Informationen über ein Tiefenlager durch konventionelle Zeichensätze jedoch erkannt.

Adresse für Rückfragen:

Marcos Buser, Geologe und Sozialwissenschaftler, 079 447 60 43
Michael Aebersold, Michael Aebersold, Leiter Sektion Entsorgung radioaktive Abfälle BFE, 079 506 50 04

Herausgeber:

Bundesamt für Energie
Internet: http://www.bfe.admin.ch

Dateianhänge:


http://www.bfe.admin.ch/energie/00588/00589/00644/index.html?lang=de